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Mann, der verzweifelt die Hände vor sein Gesicht hält
Burnout

Burnout-Phasen

Burnout-Phasen anhand zweier Phasenmodelle – die Entwicklung und Symptome des Burnout-Syndroms

Das Burnout-Syndrom entsteht nicht von heute auf morgen. Es handelt sich um eine Entwicklung über Monate oder Jahre hinweg. Dabei kann man verschiedene Burnout-Phasen unterscheiden. In diesem Artikel möchte ich zwei Phasenmodelle näher vorstellen und auf die Symptome eingehen, die mit der Entwicklung des Burnout-Syndroms in Verbindung stehen.

Burnout-Phasenmodelle

Es gibt viele verschiedene Burnout-Phasenmodelle. Davon wurde jedoch noch keines in einer wissenschaftlichen Studie bestätigt. Da es sich um theoretische Modelle handelt, können diese zwar eine grobe Einordnung ermöglichen, es ist jedoch zu beachten, dass individuelle Verläufe davon abweichen können.

Die 12 Burnout-Phasen nach Freudenberger

Der Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger hat sich im Jahr 1974 erstmals mit dem Phänomen „Burnout“ beschäftigt und den Begriff geprägt. In seinem Modell unterscheidet er 12 verschiedene Burnout-Phasen.

Vielleicht findest du dich hier irgendwo wieder:

  1. Der Zwang, sich beweisen zu müssen:
    Du bist motiviert, engagiert und hast hohe Ansprüche an dich selbst. Gleichzeitig begleiten dich Versagensängste, die du jedoch gut im Griff hältst, indem du versuchst, alles möglichst perfekt zu machen.
  1. Verstärkter Einsatz:
    Getrieben von einem starken Leistungsdenken gibst du weiterhin Vollgas. Dein Perfektionismus verstärkt sich. Du willst allen Erwartungen gerecht werden.
  1. Vernachlässigen eigener Bedürfnisse:
    Deine Überarbeitung nimmt zu und deine Bedürfnisse treten in den Hintergrund, z. B. ausreichend zu schlafen. Du bist unkonzentrierter und auf der Arbeit kommt es zu ersten Fehlern.
  1. Verdrängen von Konflikten:
    Es kommt zu Konflikten im sozialen Umfeld, z. B. mit Kollegen oder dem Partner, welche du jedoch verdrängst. Die ersten psychosomatischen Beschwerden zeigen sich, wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Verspannungen. Auf der Arbeit schleichen sich immer mehr Fehler ein, du vergisst Termine oder kommst zu spät, was untypisch für dich ist.
  1. Umdeuten von Werten:
    Die Arbeit hat für dich oberste Priorität, für Familie, Freunde und Hobbys ist keine Zeit. Zeit für dich nimmst du dir sowieso nicht. Auch anderen gegenüber bist du härter und weniger empathisch.
  1. Verleugnen der Probleme:
    Deine körperlichen Beschwerden verstärken sich und deine Arbeitsleistung lässt deutlich nach. Du verleugnest deine Probleme, isolierst dich zunehmend, wirst zynisch und verbittert.
  1. Sozialer Rückzug:
    Du ziehst dich immer mehr zurück, fühlst dich allein und hoffnungslos. Vielleicht suchst du dir Ersatzbefriedigungen wie Alkohol, übermäßiges Shopping oder exzessiven Sport. Im Job machst du nur mehr das Nötigste, da du keine Kraft mehr hast.
  1. Verhaltensänderungen:
    Auch wenn du selbst dein verändertes Verhalten nicht bemerkst, dein Umfeld tut es. Hilfsangebote wimmelst du jedoch ab. Dir ist alles egal und du fühlst dich oft angegriffen, reagierst empfindlich oder unangemessen und bist überaus misstrauisch. Du empfindest deinen Job als große Belastung.
  1. Depersonalisation:
    In dieser Phase hast du das Gefühl, dass du nur noch irgendwie „funktionierst“. Du fühlst dich nicht mehr wie du selbst, dein Leben kommt dir sinnlos vor. Körperliche Beschwerden verstärken sich. Vielleicht vernachlässigst du sogar deine Körperhygiene.
  1. Innere Leere:
    Du empfindest eine ausgeprägte innere Leere. Vielleicht versuchst du diese Leere mit Essen, Medienkonsum o. ä. zu füllen. Du fühlst dich nutzlos und ängstlich. Deine Angst kann sich in dieser Phase sogar zu Panikattacken entwickeln.
  2. Depression*:
    Dein Leben fühlt sich nicht mehr lebenswert an. Du bist hoffnungslos und verzweifelt. Du hast immer weniger Kraft für alltägliche Aufgaben. Du leidest an einer massiven Antriebslosigkeit und musst dich zu allem zwingen. Vielleicht empfindest du sogar Selbsthass oder hast Suizidgedanken.
  1. Völlige Erschöpfung/Burnout:
    Du brichst komplett zusammen, mental, emotional und körperlich. Die Suizidgefahr ist in diesem Endstadium sehr hoch.

* Da Depression als psychische Krankheit eingestuft wird und Burnout nicht, stimmt die elfte Stufe dieses Modells nicht mit der offiziellen Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) überein.

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich hierbei nur um ein Modell. Dein individueller Verlauf kann davon abweichen. Das heißt, die jeweiligen Burnout-Phasen müssen nicht in genau dieser Reihenfolge ablaufen. Es kann auch sein, dass bestimmte Phasen übersprungen werden. Auch können einzelne Phasen in ihrer Intensität anders erlebt werden. Meist sind die Übergänge zwischen den Burnout-Phasen fließend.

Es gibt noch einige weitere Burnout-Phasenmodelle, wie z. B. das 7-Phasen-Modell von Prof. Dr. Matthias Burisch, welches in verkürzter Form dem 12-Phasenmodell nach Freudenberger ähnelt, und die 5-Burnout-Phasen nach Edelwich & Brodsky, die sich vorrangig auf Beschäftigte in Pflege- und Heilberufen beziehen. Ich möchte an dieser Stelle noch das 4-Phasen-Modell nach Dr. med. Mirriam Prieß ausführlicher vorstellen.

4-Phasen-Modell nach Dr. med. Mirriam Prieß

In ihrem Buch „Burn-out kommt nicht nur von Stress – warum wir wirklich ausbrennen und wie wir zu uns selbst zurückfinden“ stellt Dr. med. Mirriam Prieß ebenfalls ein Burnout-Phasen-Modell vor. Es basiert auf der Grundannahme, dass der Entwicklung des Burnout-Syndroms die Entwicklung eines Konflikts zugrunde liegt. Dabei werden vier grundlegende Konfliktphasen unterschieden: Alarmphase, Widerstand, Erschöpfung und Resignation.

Um es besser verständlich zu machen, erkläre ich dieses Phasenmodell an einem fiktiven Beispiel: Linda und ihr Konflikt mit ihrem neuen Chef Herrn Müller. Worin dieser Konflikt genau besteht, ist hier nicht entscheidend und bleibt deiner Fantasie überlassen.

In der Alarmphase erfolgt die erste Bewertung der Situation: Linda nimmt Herrn Müller als bedrohlich wahr. In ihrem Körper zeigen sich klassische Stresssymptome wie schneller Puls, Herzrasen, flache Atmung, Atemnot, Schwitzen, kalte oder feuchte Hände, Harndrang oder ein Kloß im Hals. Auf der Gefühlsebene zeigen sich Angst, Unsicherheit, Nervosität, innere Unruhe und Anspannung oder sogar Panik. Lindas Gedanken kreisen um Lösungsmöglichkeiten, wobei ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich bei ihrem Chef liegt.

In der Phase des Widerstands erfolgt eine erneute Bewertung der Situation. Linda stellt fest, dass es keine Möglichkeiten gibt, die Situation zu bewältigen oder zu verlassen. Im Laufe der Zeit wird sie von diversen Symptomen geplagt: Kopfschmerzen, Magenprobleme, Übelkeit, Engegefühl in der Brust, Verspannungen, Rückenschmerzen bis zu allergischen Hautreaktionen – typische psychosomatische Beschwerden. In ihrem Verhalten Herrn Müller gegenüber versucht sie gegenzuhalten. In bestimmten Situationen geht sie entweder in die stumme Verweigerung oder in den lauten Widerstand. Auch gedanklich versucht sie „dagegen zu halten“ und neigt sehr zum Grübeln, was jedoch ebenso vergeblich ist. Daher versucht sie sich abzulenken und richtet ihre Aufmerksamkeit auf ihre Körpersymptome. Außerdem beginnt sie damit, sich die Situation schönzureden: „So schlimm ist es ja nun wirklich nicht. Andere haben es viel schlechter als ich.“ Ab einem bestimmten Punkt beginnt sie damit, die Situation zu kompensieren, indem sie viel unternimmt und immer beschäftigt ist, was sich in einer regelrechten Arbeitswut äußert. Auf der Gefühlsebene dominieren Ärger, Wut und Aggression. Außerdem fühlt sie sich zunehmend hilflos. Auch das erscheint vergeblich und sie beginnt ihre Gefühle abzuschalten bzw. zu verdrängen.

Auf die Widerstandsphase folgt die Erschöpfung: Die Belastung wird für Linda zu hoch. Sie erlebt sie als dauerhaft und unausweichlich. Linda kann die Belastung weder bewältigen noch ausgleichen oder abmildern (z. B. durch Erholungszeiten wie Urlaub). Sie kann weder in ihrer Außenwelt etwas verändern, noch in ihrer Innenwelt einen Ausgleich herstellen. Ihre körperlichen Symptome werden chronisch: Linda hat andauernd Kopfschmerzen, ist ständig erschöpft und kraftlos. Sie ist anfälliger für Infekte und hat chronische Verspannungen. Sie wird geplagt von Ein- und Durchschlafstörungen. Trotz ihrer Müdigkeit kann sie nachts oft nicht schlafen. Weitere Symptome in dieser Phase können sein: Migräne, hoher Blutdruck oder chronische Magenprobleme. Gedanklich beschäftigt sich Linda in dieser Phase weiterhin sehr mit ihren körperlichen und psychischen Symptomen, grübelt viel und hat ständig wiederkehrende Gedanken. Der Konflikt wird verdrängt und ausblendet. Ihre Konzentrationsfähigkeit nimmt stark ab, sie wird zunehmend vergesslicher und hat immer öfter einen „leeren Kopf“. Sie wird immer häufiger von ihren Gefühlen übermannt: Sie fühlt sich verzweifelt und traurig, weint oft. Ihre Trostlosigkeit und Hilflosigkeit nehmen zu. Sie ist sehr ängstlich, aber unterdrückt ihre Angst weitestgehend. Sie ist gereizt, pessimistisch, mutlos und von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt. Sie verliert zunehmend das Interesse an vielen Dingen und fühlt sich einfach nur noch überfordert. Da der Kontakt mit anderen Menschen als belastend erlebt wird, zieht sie sich zunehmend zurück und hat außer bei ihrer Arbeit kaum soziale Kontakte mehr. Ihr Leben ist ein bloßes „Funktionieren“.

In der letzten Phase des Rückzugs ist das Burnout-Syndrom voll ausgeprägt. Der eigene Rückzug erscheint als die einzige Lösung. Linda leidet stark unter den chronischen Körpersymptomen, der Erschöpfung und Kraftlosigkeit, welche ihren Alltag massiv beeinträchtigen. Ihre Gedanken kreisen nur noch um sie selbst: „Mir wird alles zu viel, ich will nur noch meine Ruhe haben, ich kann nicht mehr“. Aus ihrer unterdrückten Aggression ist ein Selbsthass geworden. Sie fühlt sich oftmals wie erstarrt, teilnahmslos und gefühllos. Ihrer Umwelt gegenüber fühlt sie sich zunehmend isoliert. Sinn- und Hoffnungslosigkeit prägen ihr Selbst- und Weltbild. Linda wird immer antriebsloser und zieht sich völlig in sich selbst zurück, bis sie schließlich zusammenbricht.

Der Konflikt mit dem Chef dient lediglich als Beispiel. Es kann sich genauso um einen Konflikt mit einem Kollegen oder Mitarbeiter handeln, um den Partner, die Eltern oder Schwiegereltern, um eine oder mehrere Personen. Genauso kann es sich um innere Konflikte handeln. In vielen Fällen liegen bei der Entwicklung des Burnout-Syndroms sogar mehrere Konflikte vor, äußere sowie innere.

Ergänzend ist noch anzumerken, dass in der Widerstandsphase eine nicht zu unterschätzende Gefahr besteht, dass Betroffene Suchterkrankungen entwickeln, die als Kompensation dienen: Alkoholkonsum, Rauchen oder auch übermäßiger Medienkonsum. In der Erschöpfungsphase nimmt die Gefahr des Suchtmittelmissbrauchs zu, da diese oft als Mittel zum „Betäuben“ dienen. In dieser Burnout-Phase kann es genauso vorkommen, dass Betroffene gar nichts mehr fühlen. Genauso kann es zu Panikattacken kommen, was ein übersteigerter Ausdruck der Angst ist, die nicht mehr unterdrückt werden kann, und bis hin zu Todesangst führen kann. Panikattacken werden oft verglichen mit dem Gefühl einen Herzinfarkt zu bekommen. In der Rückzugsphase kann es vorkommen, dass die bis dahin aufrechterhaltende Fassade durch unbewusst geplante Aktionen eingerissen wird. So wird z. B. die eigene Sucht zu Schau gestellt oder es werden grobe Fehler oder Unterlassungen begangen, die den Betroffenen erst recht ins Abseits befördern.

Fazit

Um die Phasen des Burnout-Syndroms zu beschreiben, gibt es nicht das eine richtige Modell, sondern mehrere Erklärungsansätze, wie es dazu kommt, dass Menschen ausbrennen. Individuelle Verläufe können variieren. Daher sind diese Burnout-Phasenmodelle nicht für exakte Diagnosen geeignet, aber sie ermöglichen eine grobe Einordnung.

Was du tun kannst

Wichtig ist nicht, alle Burnout-Phasenmodelle zu studieren. Es kommt auch nicht so sehr darauf an, ob du dich genau einer Phase zuordnen kannst. Entscheidend ist, wie hoch dein Leidensdruck ist und was du dagegen tun kannst.

Da du diesen Artikel bis hier her gelesen hast, befindest du dich höchstwahrscheinlich irgendwo auf dem Weg in Richtung Burnout. Daher gebe ich dir einen guten Rat: Je früher du handelst, umso besser. Je weiter fortgeschritten das Burnout-Syndrom ist, umso schwieriger ist es, die Notbremse zu ziehen. Daher ist es sehr ratsam, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu holen. Ärzte verweisen in diesem Fall meist an Psychotherapeuten. Dort sind die Wartelisten jedoch in den allermeisten Fällen sehr lang. Doch auch eine psychologische Beratung kann Wunder bewirken. Ausschlaggebend ist hier, dass du zu deinem Berater oder deiner Beraterin Vertrauen hast und dich bei ihm oder ihr gut aufgehoben fühlst. Dann bist du nicht alleine mit deinen Problemen, sondern kannst dich jemanden anvertrauen, der dir empathisch zuhört und dich wirklich versteht. Jemand, der dir hilft, wie du deine Situation besser bewältigen kannst und mir dir gemeinsam sinnvolle Lösungen findet. Jemand, der an deiner Seite ist und dich bei notwendigen Veränderungen in deinem Leben wirkungsvoll begleitet.

Carina Messer

Mein Name ist Carina Messer. Als Psychologische Beraterin, Personal & Business Coach berate und begleite ich meine Klientinnen und Klienten bei ganzheitlichen Veränderungen hin zu einem erfüllten, ausgeglichenen und gesunden Leben.

Mein Spezialgebiet ist Coaching bei Stress und Burnout sowie bei beruflichen Veränderungen.

Außerdem bin ich Expertin für introvertierte und hochsensible Persönlichkeiten, welche besonders von meinem Coaching profitieren können.

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